Interview zum Thema Berufungspastoral mit Pfr. Berker ·
in »Glaube und Leben«, Nr. 29, vom 23. Juli 2006
In diesen Tagen und Wochen finden in den Diözesen Priesterweihen und Sendungsfeiern statt. Junge Menschen stellen ihr Leben in den Dienst der Kirche. Sie ergreifen einen pastoralen, einen kirchlichen Beruf. In verschiedenen deutschen Diözesen wird ein „Jahr der Berufung“ veranstaltet und geplant. In der Diözese Mainz hat Kardinal Lehmann die Berufungspastoral zu einem Schwerpunktthema erklärt. Fragen dazu an Martin Berker, Subregens und Leiter der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“.
Was ist Berufung überhaupt?
Romano Guardini nennt es das Passwort, das über meinem Leben schwebt. Alfred Delp spricht vom geheimen Imperativ, der über meinem Leben steht, der alles bündelt. Ignatius von Antiochien schreibt an die Gemeinde von Ephesus „Nehmt Gottes Melodie in euch auf!" Gemeint ist damit die Melodie, die mein Leben durchzieht, die es aber auch zunächst einmal zu entdecken gilt.
Was heißt das – „Berufung entdecken“?
„Berufung entdecken“ meint das, wozu Gott mich in meinem Leben ruft, was sein Plan mit mir ist. Jeder kann diesen Ruf Gottes hören und darauf reagieren. Konkret bedeutet dies: einen Dialog mit Gott beginnen.
... also beten?
Gott selbst ist es, der Menschen beruft und es braucht dafür die stillen Momente, das Gespräch unter vier Augen oder die kleine Gruppe, selbstverständlich auch das Gebet und das Leben mit seinem Wort.
Viele Leute denken, nur Priester und Ordensleute seien „berufen“...
Diese Sichtweise ist meines Erachtens zu eng geführt, dies wird dem Wesen von Berufung nicht gerecht. Berufung ist die Grundfrage, in der jeder Christ durch das ganze Leben hindurch steht. Was will Gott von mir? Was soll ich werden? Was ist die Grundlage und das Ziel meines Lebens? Was bewegt mich? Wie gehe ich mit meinen Begabungen und auch mit meinen Schwächen um?
Was kann eine Berufungspastoral bewirken?
Berufungspastoral ist eine wichtige Hilfe, aber sie allein kann keine Wunder wirken. Es kommt auf uns alle an. Wer wirklich um seine eigene Berufung weiß und ihr nachgeht, entdeckt bei sich und bei anderen vielleicht weitere Spuren und Hinweise auf den Weg der Nachfolge des Herrn.
Wozu können Menschen „berufen“ sein?
Die Bibel zeigt es uns, jede Berufungsgeschichte ist einzigartig und unverwechselbar. Gottes Ruf setzt Menschen in Bewegung. Damals wie heute betrifft sein Ruf nicht nur einige wenige, sondern gilt jedem Menschen. So kann man sich berufen fühlen zu einer karitativen, sozialen, wissenschaftlichen, handwerklichen Begabung oder zu einer bestimmten Aufgabe innerhalb der Kirche. Es gibt ein breites Spektrum an kirchlichen Berufen. Frauen und Männer engagieren sich als Pastoralreferenten und Gemeindereferentinnen in der Seelsorge und für den Aufbau unserer Gemeinden. In den Schulen vermitteln Religionslehrerinnen und Religionslehrer unseren Kindern und Jugendlichen, was der christliche Glaube für ein gelingendes Leben bedeutet. Unsere Diakone stehen dafür, dass der Dienst an Menschen, die in Not sind, ein unverzichtbarer Grundvollzug kirchlichen Handelns ist. Ein für unsere Kirche und jede Gemeinde entscheidender Dienst ist der Beruf des Priesters. Priester sein heißt, von Gott zum Dienst an seinem Volk gerufen.
Es werden junge Menschen gebraucht, die sich für die Berufe der Kirche zur Verfügung stellen. Wobei kann Berufungspastoral ganz konkret helfen?
Die Erfahrung von gelebtem Zeugnis und der Rahmen über Berufung zu sprechen sind Grundfaktoren von Berufungspastoral. Unsere Arbeit orientiert sich zuerst am Suchenden selbst und hilft, dass der Begleitete den Weg findet, auf den ihn Gott als der Rufende führen will.
Wir geben Hilfestellung, sich dem Ruf zu öffnen und eine reife Lebensentscheidung treffen zu können. Junge Menschen brauchen Hilfe, Ermutigung, Begleitung und auch Kritik, den eigenen Weg zu finden und zu deuten. Wir, von der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“, sind bereit zu begleiten, zu stärken, mitzusuchen und zu finden.
Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Ansprache beim Weltjugendtag gesagt: „Mir scheint, dass am Ende dieses Ereignisses die Bitte der jungen Leute an uns im Wesentlichen so lauten könnte: „Ja, wir sind gekommen, ihn anzubeten. Wir sind ihm begegnet. Helft uns jetzt, seine Jünger und Zeugen zu werden!“
