"Wir sind klein, aber nicht ohne Kraft und Ideen"
Schwester Brigitta Buchler arbeitet seit 25 Jahren in der Diözesanstelle "Berufe der Kirche"
Schwester Brigitta Buchler ist neue Generaloberin der Vinzentinerinnen

Mainz/Heppenheim. Im April begeht Schwester Brigitta Buchler ihr 25. Dienstjubiläum in der Mainzer Diözesanstelle "Berufe der Kirche". Als sie im April 1982 mit ihrer Arbeit begann, "da war das noch richtige Pionierarbeit", erzählt Schwester Brigitta. Bis dahin hatte es nur eine sporadisch betreute Geschäftsstelle im Mainzer Priesterseminar gegeben. Zu Anfang teilte sie sich noch ein Büro mit Hubertus Brantzen vom Referat für Pastoralreferenten in der Mainzer Liebfrauenstraße.
Künftig wird sich das Aufgabenfeld von Schwester Brigitta ändern, denn Ende März ist sie auf dem Generalkapitel der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul (Vinzentinerinnen) für sechs Jahre zur neuen Generaloberin der Kongregation Mainz-Heppenheim gewählt worden. "Ein gewisses Zagen war da, als ich das auf mich zukommen sah, aber auch Mut, denn wenn Gott will, dass ich diese Aufgabe übernehme, dann wird er mir auch die Kraft seines Geistes dafür geben."
"Ich kann jetzt natürlich nicht sofort meine Koffer packen und alle Aufgaben in Mainz stehen und liegen lassen", erklärt Buchler, die seit 1988 mit einer halben Stelle auch als Ordensreferentin im Bistum Mainz arbeitet. "Künftig wird mein Schwerpunkt aber natürlich im Mutterhaus in Heppenheim liegen, denn ich muss ja Sorge tragen für jede einzelne Schwester, unsere Einrichtungen und das geistliche Leben der Kongregation."
Schwester Brigitta (Jahrgang 1942) trat 1960 in den Orden der Vinzentinerinnen ein. Nach Ausbildungsstationen unter anderem an der Höheren Hauswirtschaftlichen Berufsfachschule in Mainz und der Berufspädagogischen Hochschule in Stuttgart kam sie 1969 als Leiterin der damaligen Pflegevorschule am St. Vinzenz und Elisabeth-Hospital nach Mainz. Ab 1980 war sie zudem im Heppenheimer Mutterhaus mit regelmäßigen Besinnungswochenenden für junge Frauen beauftragt. Diese Aufgabe wollte sie in Anbindung an das Bistum Mainz wahrnehmen und so kam es nach ersten Kontakten mit dem heutigen Weihbischof Franziskus Eisenbach, der damals das Exerzitienhaus in Dieburg leitete, im September 1982 zu einem offiziellen Gestellungsvertrag für die Diözesanstelle "Berufe der Kirche".
"Schon bald habe ich mit Wanderungen von Theologiestudenten und Jugendlichen begonnen und versucht vor allem in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Zentrum für Berufungspastoral gute Ideen ins Bistum Mainz zu übertragen." Heute liegt ihr Arbeitsschwerpunkt in der Diözesanstelle "Berufe der Kirche" beim Päpstlichen Werk für geistliche Berufe (PWB). Subregens Martin Berker hat in der Diözesanstelle den Schwerpunkt Berufungspastoral übernommen. Seit Jahrzehnten arbeitet sie außerdem in der Arbeitsgemeinschaft Frauenorden des Bistums mit und ist seit den 1990er Jahren als Vorsitzende des Ordensrates der Diözese aktiv.
"Es ist heute für junge Menschen sehr schwer, den Ruf Gottes zu vernehmen, weil sich noch viele andere Laute breit machen", sagt sie. "Gott ruft bestimmt, aber viele hören den Ruf einfach nicht mehr." Ein Grund dafür sei die abnehmende Gläubigkeit in den Familien. Dass gerade bei den Frauenorden der Nachwuchs fehle, liege oftmals an der größeren Eigenständigkeit junger Frauen. "Viele haben einen Beruf und leben als Single. Das steht im Widerspruch zum Leben im Orden, in der Nachfolge Jesu, wo man sich bewusst in eine Gemeinschaft einfügt, um gemeinsam Evangelium zu leben." Außerdem gebe es in der Gesellschaft viele Vorbehalte, die ein junger Mensch überwinden müsse, wenn er sich dem Ordensleben zuwende.
Gleichzeitig sei jedoch die Sehnsucht der Menschen nach Gott und das Interesse an einer klösterlichen Umgebung stark gewachsen, wie sie aus zahlreichen Anfragen nach Angeboten zu "Tagen im Kloster" weiß. "Das ist aber eher eine Eventerfahrung. Was Gott eigentlich von mir will, ist eine Frage, die sich viele gar nicht mehr stellen."
Neue Aufgabe als Generaloberin der Vinzentinerinnen in Heppenheim
"Wir haben als Vinzentinerinnen eine Zukunft und eine Aufgabe, auch wenn wir seit einigen Jahren kaum Nachwuchs haben", ist sich die neue Generaloberin sicher. Jede Schwester sei von Gott berufen und habe durch ihren Dienst einen großen Wert, der auch deutlich gemacht werden müsse, betont Schwester Brigitta. "Wir wissen nicht, was Gott mit uns vorhat und es gibt immer wieder Beispiele für ein unerwartetes Aufblühen." Als sie 1960 in den Orden eingetreten ist, hatte die Kongregation Mainz-Heppenheim noch über 400 Schwestern und in den elf Kongregationen in Deutschland und Österreich gab es rund 10.000 Vinzentinerinnen. Heute zählt die Kongregation Mainz-Heppenheim noch 66 Schwestern.
In Zukunft werde es statt großer Konvente eher kleine geben und viel mehr Einzelstellungen von Ordensleuten, die einem Konvent zugeordnet sind, sagt Schwester Brigitta. Dabei ist sie sicher, dass die Vinzentinerinnen auch diese Krise überstehen werden. Zusammen mit den Kongregationen in Freiburg, Fulda und Paderborn ist bereits in den 1970er Jahren eine Neugründung in Indien erfolgt, wo heute mehr als 200 Schwestern leben. "Das muss man auch miteinbeziehen. Wir sind zur Zeit rückläufig, aber die Hilfe, die wir für Indien geleistet haben, vermehrt sich."
Ein weiteres Hoffnungszeichen ist für Schwester Brigitta die Frauengemeinschaft "Vinzenz von Paul", die 1985 unter ihrer Mitwirkung entstanden ist. "Diese Laienbewegung, bei der Frauen versuchen, die vinzentinische Spiritualität in ihren Alltag einzubeziehen, gibt es in dieser Form bisher nur in unserer Kongregation." Inzwischen treffen sich in drei Gruppen rund 15 Frauen in dieser Gemeinschaft. Trotz vieler schmerzhafter Einschnitte im Orden in den vergangenen Jahren bleibt Schwester Brigitta optimistisch: "Wir sind klein, aber nicht ohne Kraft und Ideen, das Vinzentinische ins Heute zu übertragen."
Einen ersten Kontakt zu ihrem Orden hatte sie zu Vinzentinerinnen in Mannheim. Hinzu kam die Faszination durch die Person des Ordengründer Vinzenz von Paul. "Es war für mich schnell, klar, dass ich diesen Weg gehen möchte." Bereut hat sie ihren Entschluss auch nach bald 50 Jahren im Orden nicht: "Ich war im Orden glücklich vom ersten Tag an und bin es bis heute."
