Weihnachtsgruß 2010

Liebe Förderinnen und Förderer,
liebe Mitglieder des PWB,

ein ereignisreiches und spannendes Jahr liegt fast hinter uns: es hat sich vieles in den letzten 12 Monaten ereignet. Das gilt zunächst für die Diözesanstelle: am Gründonnerstag, 1. April 2010, segnete unser Bischof, Herr Kardinal Lehmann, nach dem Umzug die neuen Räume. Im Juli 2010 haben wir nach fast 30 Jahren engagierter Mitarbeit Sr. Brigitta verabschiedet und für ihr segensreiches Wirken gedankt.
2010 war aber zugleich das Jahr, welches die katholische Kirche in unserem Land aufgrund des Missbrauchsskandals und den damit zusammenhängenden Enthüllungen tief erschüttert hat. Wir wurden mit der hässlichen, weil sündhaften Seite der Kirche konfrontiert und müssen uns ihr stellen. Es wurden z. T. schwere Fehler gemacht, weshalb unsere Kirche stark in der Kritik und Zielscheibe mancher Angriffe war. So herrscht viel Ratlosigkeit, wie es weitergehen soll. Zugleich stehen wir vor der großen Herausforderung, das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen. Man hat den Eindruck, dass der „Karren tief im Dreck steckt“, wie wir manchmal sagen.
In dieser Atmosphäre feiern wir Weihnachten, singen die altvertrauten Lieder, hören die (manchmal allzu?) bekannten Worte der Propheten, die vom Neuanfang Gottes mit seinem Volk sprechen. Ob wir ihnen im Jahr 2010 noch glauben?
Vielleicht können wir uns in dieser Situation gut in die Weisen aus dem Morgenland hineinversetzen, die sich auf den Weg machten, nachdem sie den Stern von Betlehem hatten aufgehen sehen. Lange sind sie unterwegs – und sicher haben sie das eine oder andere Mal sich gefragt, ob ihr Weg wohl überhaupt einen Sinn hat, ob es nicht besser wäre, wieder umzukehren und die Reise abzubrechen. Doch in ihnen brennt eine Sehnsucht, die sie nicht mehr zur Ruhe kommen lässt: sie wollen den neugeborenen König finden, den wahren Herrn. Das hält sie in Bewegung, so sehr manchmal (innerlich) ihr „Karren im Dreck steckt“.
Der Stern hält sie mit seinem hellen Glanz in Bewegung – und lässt ihre Hoffnung nicht sterben. Wir brauchen den Blick zum (Stern am) Himmel. Wer immer nur auf die Erde schaut, dessen Blick wird nämlich eng und begrenzt, ihm fehlen die Weite und die Orientierung an dem, was größer ist als er selbst, ihm fehlt der Retter.
Wenn wir in diesem Jahr Weihnachten feiern, dann soll uns neu bewusst werden, dass Gottes Stern in unserer Dunkelheit aufgegangen ist. Christus hat das Licht der Welt erblickt – aber auch ihre Dunkelheiten. Sein Stern überstrahlt jedoch unsere Finsternis. Für uns heißt dies, neu das Vertrauen auf den Gott zu lernen, der in Christus mitten hinein in unsere Dunkelheit gekommen ist, um sie hell zu machen. Wer sich seinem Glanz anvertraut, den kann niemand mehr hinters Licht führen. Es lohnt sich deshalb weiterhin, in seiner Kirche dafür zu arbeiten, dass viele Menschen das Licht dieses Sterns sehen und ihren Lebenskarren an ihn binden, um so Heil und Frieden durch Jesus Christus zu finden.
Wir danken Ihnen deshalb sehr für alles, was Sie im Jahr 2010 für das PWB an Gebet und Opfer geleistet haben. Zugleich  wünschen  wir  Ihnen und Ihren Angehörigen ein gnadenreiches und frohes Weihnachtsfest sowie ein gesegnetes und gesundes neues Jahr 2011, in dem wir uns hoffentlich an vielen Stellen begegnen.

Pfarrer Makus Lerchl